Sonderausstellung „Flachsig und Haarig – Fäden der Erinnerung“

Zeitgenössische Kunst im Museum Neukirchen-Vluyn

Eröffnung: 22. Mai 2022, 11:00 Uhr

Konzert zur Eröffnung: Phelan Burgoyne New Trio plays the music of Paul Motian

Dauer: 22. Mai bis 18. September 2022

Künstlerinnen der Ausstellung: Barbara Beisinghoff, Zahra Hassanabadi, Marianne Herbrich, Mechthild Jülicher, Luise Kerstan, Susanne Klinke, Ulrike Lindner, Birgit Reinken, Hiltje Talsma, Bettina Zachow

Humorvoll und hintergründig, flachsig und haarig, auf spannende Weise begegnen sich Objekte zeitgenössischer Künstlerinnen und historische Exponate des Museums. Flachs, Leinen, recycelte Stoffe oder auch Haare sind Materialen des Alltags, die die Künstlerinnen in überraschende und poetische Kunstobjekte verwandeln.

Die Ausstellung in Kooperation mit dem Museum Neukirchen-Vluyn ist Teil des Projektes "Land der Flunen – Fäden der Vergangenheit", das sich den prägenden Elementen der Stadtgeschichte, Wasser und Textilgeschichte, widmet. Die Kuratorin Ariane Hackstein hat Künstlerinnen eingeladen, in einen Dialog mit der Textilgeschichte und den Exponaten der Dauerausstellung im Museum zu treten.

Flachs vom Anbau bis zur Nutzung ist ein Thema, das Barbara Beisinghoff seit vielen Jahren beschäftigt. Die international tätige Künstlerin beleuchtet Flachs aus handwerklichen und poetischen Perspektiven. Ihre Recherchen verarbeitet sie in zwei außergewöhnlichen Künstlerbüchern „Tau Blau“ und „Blues“ und in weiteren Papierarbeiten. „Flachspapier ist hart, zart und reißfest und hat eine seidige Oberfläche. Zartes leistet Widerstand. Nachhaltigkeit und Würde beweisen Kleidungsstücke aus Leinen“, so beschreibt die Künstlerin ihre Begeisterung für das zeitlose Material. Flachs und Leinen spielen in der textilen Vergangenheit des Stadtteils Vluyn eine bedeutende Rolle.

Die aus dem Iran stammende Künstlerin Zahra Hassanabadi schaut mit fragendem Blick auf unsere heutige Textilindustrie. In ihrer Serie „Konsomanie“ reflektiert sie Markensucht und Billigproduktion, die der Wertschätzung von Kleidung früherer Zeiten entgegensteht.

Haare sind Fäden ganz besonderer Art. Sie wärmen, schützen und schmücken unseren Körper. Die Frisur unterstreicht unsere Individualität und dient unserer Schönheit. Doch schon ein einzelnes Haar am falschen Platz kann ganz andere Gefühle auslösen. Mit dieser Ambivalenz der Emotionen setzt sich die Essener Künstlerin Bettina Zachow auseinander. Haare sind das Hauptmaterial ihrer künstlerischen Arbeit. Sie verknotet sie zu filigranen Objekten, zu leiblichen Hüllen und feinen Kostbarkeiten.

Susanne Klinke aus dem sauerländischen Meschede verarbeitet Haare und Textilien zu provokanten erotischen Objekten ganz eigener Art. Die Arbeiten aus Haar entfachen im Dialog mit einem alten Frisörsalon oder im historischen Bett ein lebendiges Wechselbad der Gefühle.

Gewebe, Wolle, Stoffe verschiedenster Art und Stickerei prägen die Arbeiten der Gruppe tx02. Die international und national arbeitenden Künstlerinnen stellen seit zwanzig Jahren gemeinsam aus, bevorzugt im Dialog mit historischen Kulturgütern. Dabei loten sie mit ihren Werken die ganze Bandbreite der Möglichkeiten des textilen Arbeitens aus. Die Künstlerinnen kreieren vielfältige verwickelte, bestickte oder genähte Objekte. Beispielsweise lässt Birgit Reinken gebatikte Spruchbänder mit alltäglichen Aussprüchen als „Einseitige Dialoge“ über der Ladentheke eines ehemaligen Kolonialwarenladens mit Drogerie schweben. Bedruckte Tücher von Luise Kerstan zeigen poppige kuriose Festtagsfrisuren. Die künstlerischen Transformationen und Irritationen laden zum Schmunzeln und Nachdenken ein und beleben die historischen Exponate durch einen neuen Kontext. Der Rundgang durch die Ausstellung gleicht einer Entdeckungsreise mit vielen Überraschungen.

Das Projekt "Land der Flunen – Fäden der Vergangenheit" wurde 2021 begonnen. Zum ersten Teil zählte eine Ausstellung im Landschaftraum mit fünf großen Kunstinstallationen. Der zweite Teil präsentiert nun neben der Dialog-Ausstellung im Museum zwei Kunstinstallationen im Stadtraum. Am 25. Juni 2022 wird die „Gewässergrafik“ von Sabine Schellhorn am großen Rathausfenster und die „Kathedrale des Windes“ von Jens J. Meyer am Hallenhaus auf der Halde Norddeutschland eingeweiht.

 

Neu in der Dauerausstellung:

 

Die NS-Medienstation über den Nationalsozialismus in Neukirchen-Vluyn

 

 

Barrierefreiheit im Museum Neukirchen-Vluyn

Besucher/-innen mit Mobilitätseinschränkung finden einen barrierefreien Zugang zum Museum, einen  Aufzug zu allen Ebenen sowie barrierefreie Toiletten. Alle Ausstellungsräume sind gut mit dem Rollstuhl befahrbar.                     

Freunde des Museums

... engagieren sich ehrenamtlich oder werden Mitglied ...

(Klicken Sie auf den oben stehenden Link für mehr Informationen)

Unser Kurzfilm