Einblick in die Dauerausstellung

Stadtgeschichte

Am großen Multi-Media-Touch-Screen-Tisch beginnt der Rundgang durchs Museum. Auf unterschiedlichen Ebenen werden 26 geschichtsträchtige Orte in Neukirchen-Vluyn in Foto-, Text- und Tondokumenten aufgezeigt. Hier kann man selbstbestimmt die individuell gewünschten Informationen zur Stadtgeschichte entdecken. Ergänzend befinden sich im Umfeld des Tisches reale Exponate aus der Kirchengeschichte sowie aus der französischen Besatzungszeit.

Warenwelt

Hier präsentieren sich ehemalige ortsansässige Unternehmen:

Die „Kaffeerösterei Jans“ (1895-ca.1965) an der Niederrheinallee 343 war einst überregional bekannt. Objekte aus der Firmengeschichte werden gezeigt, dazu gibt es die Mitmach-Station „Kaffee mahlen“.

Der „Kolonialwarenladen Wilhelm Göschel“ – um 1900 als typischer Winkelladen gegründet, wurde in den 1930er Jahren um die erste Drogerie mit Fotoabteilung im Ort erweitert. Hinter der Theke lassen sich Gewürzschubladen öffnen und ein Kinder-Kaufladen der 1950er Jahre lädt zum „Spielen“ ein. Kurze Hörsequenzen lassen den Tante-Emma-Laden lebendig werden.

Der original erhaltene „Friseursalon Kühn“ an der Feldstraße eröffnete in den 1950er Jahren und wurde über 30 Jahre von dem Ehepaar Rudolf und Adele Kühn betrieben. Beim Betreten des Salons fühlt man sich in eine frühere Zeit versetzt.

Textilgeschichte und Bekleidung

Bis ins 19.Jh. hinein verfügte beinah jeder Bauer über ein eigenes Flachsfeld. Er webte den Flachs zu Leinen, um die Familie mit den daraus entstandenen Textilien, wie zum Beispiel dem blau gefärbten Arbeitskittel, zu versorgen.

Eine rasante Entwicklung nahm die örtliche Stoffproduktion durch die preiswert aus Amerika importierte Baumwolle. 1801 wurde mit der ersten Flanellweberei von Jacob Küppers in Vluyn bereits der Grundstein für den wirtschaftlichen Erfolg gelegt. Um 1845 beschäftigte die Firma  um die 150 Hausweber aus der Region und gehörte zu den größten Wirtschaftsunternehmen in Neukirchen-Vluyn.

Im Zeitalter der Industrialisierung in der 2. Hälfte des 19.Jh. löste der mechanische Webstuhl den Handwebstuhl ab. Weitere Textilunternehmen entstanden im Ortsteil Vluyn, die mit der Erfindung der Dampfmaschine, die mittels Transmissionsriemen die Webstühle antrieb, kostengünstig Baumwollprodukte fertigen konnten. Eine Medienstation gibt Auskunft darüber.

Sich drehende Figurinen präsentieren besondere Stücke aus der Modewelt: ein „Gesellschaftskleid“ von 1835 aus der Biedermeier Epoche, ein Hochzeitspaar  mit schwarzem Brautkleid um 1900 sowie einen himmelblauen Kinderanzug um 1958.

Schulgeschichte

In der „Dorfschulklasse“ im Museum liegen auf den Tischen alte Schiefertafeln und Griffel bereit, mit denen die Schüler zwischen 1918 und 1941 Schreibübungen zum Sütterlin-Alphabet gemacht haben. Eine Medienstation lädt alle ein, die alte Schrift auszuprobieren.

In einem großen digitalen Bilderrahmen mit Touch-Screen kann man entdecken, wie viele Schulen es in Neukirchen-Vluyn gab, wie sie aussahen und welche Lehrer dort unterrichteten.

Auf einem Pausenhof neben der Schulklasse kann man aktiv in Hüpfekästchen springen oder hinkeln sowie Dosenlaufen und Fadenspiele ausprobieren. Eine traditionelle Murmelbahn lädt auch Erwachsene ein, eine kleine Glasmurmel durch die Öffnung mit den 100 Spielpunkten zu rollen.

Mühlen, Transmission und Dampfmaschine

Wie funktioniert eine Windmühle, eine Transmission oder die Dampfmaschine, die in der Zeit der Industrialisierung in vielen Fabriken den Antrieb unterschiedlicher Maschinen bewirkte? In diesem Themenbereich werden die technischen Zusammenhänge verdeutlicht.

Insbesondere durch das Drehen einer Holzscheibe mittels Lederriemen wird die Technik einer Transmissionswelle mit ihren Kraftübertragungen leicht erkennbar.

Neben der eigenen Interaktion erläutern auch kurze Filmsequenzen die unterschiedlichen Funktionsweisen. Für Kinder ist besonders die Entdeckung der „Mühlensprache“ eine Herausforderung.

Soziales Engagement als Antwort auf die Industrialisierung – Andreas Bräm und der Erziehungsverein

Andreas Bräm und sein 1845 gegründeter Erziehungsverein fand damals schon mit einem modernen Konzept eine gute Antwort auf die Soziale Frage, die mit der Industrialisierung aufkam. Verwahrloste Kinder aus Familien, in denen beide Elternteile in Fabriken arbeiteten, brachte Bräm erstmals in Familien unter, in denen sie Zugang zu Bildung und Ausbildung erhielten. Beim Anheben der „Dachpfannen“ von Haus Elim, dem ersten preußischen Mädchenheim 1883, können darunter weitere Elemente der christlich sozialen Arbeit von Andreas Bräm entdeckt werden.

Nationalsozialismus in Neukirchen-Vluyn

1928 regierte der erste nationalsozialistische Bürgermeister Preußens in Neukirchen-Vluyn.

Wie kam es zu dieser Entwicklung?  Auf Plakatwänden wird das Geschehen anhand von Texten und zahlreichen Fotos verdeutlicht.

Daneben bildet die Geschichte der Zwangsarbeiter, die im 2. Weltkrieg auf der Zeche „Niederberg“ arbeiten mussten, einen weiteren Schwerpunkt. In einer Hörstation berichten sie in einem Interview von ihrer Ankunft in Neukirchen-Vluyn, ihrer Arbeit und ihrer Lebenssituation vor Ort.

Die Schicksale von zwei jüdischen Familien aus Neukirchen-Vluyn werden durch eine Medienstation mit Fotos, Texten und Gesprächen vorgestellt.